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Teil des Umfassungsgrabens
Teil des Umfassungsgrabens
Bergkristall-Perle
Bergkristall-Perle
Facettenglas
Facettenglas

Herzogenrath-Merkstein: römische Villa rustica

Die Entwicklung eines Gewerbegebietes in Herzogenrath, Ortsteil Merkstein, gab den Anlass für die Untersuchung einer römischen Siedlungsfläche von 123 x 144 m, die ein Graben mit Eingängen im Süden und Norden umschloss. Innerhalb des Umfassungsgrabens konnten sechs Gebäude in Holzbauweise vollständig erschlossen werden. Vier weitere wurden rekonstruiert. Das größte unter ihnen (24,75 x 11,4 m) diente wohl als Wohnhaus. Die übrigen können als Wirtschaftsgebäude und Speicher angesprochen werden, zu denen auch ein Grubenhaus zählt. In einem der Wirtschaftsgebäude wurden zwei Metallschmelzöfen und eine Herdstelle entdeckt. Zwei weitere kleine Öfen befanden sich außerhalb der Gebäude. An zentraler Stelle der ganzen Anlage lagen zwei Teiche. Die Wasserversorgung sicherten ein Brunnen und eine Art Wasserbecken mit Anschluss an den Umfassungsgraben. Außerhalb des Grabens lag noch der Rest einer Brandbestattung (bustum).

Das Gehöft entstand im Verlauf des 1. Jh. n. Chr. und wurde bis ins 3./4. Jahrhundert genutzt. Die große Anzahl der gefundenen Vorratsgefäße (Dolien) deutet auf eine landwirtschaftliche Produktion über den Eigenbedarf hinaus. Eine für den Handel verkehrsgünstige Anbindung bietet die unmittelbare Nähe zur römischen Fernstraße Tongeren-Köln. Der gehobene Lebensstandard der Bewohner der Anlage spiegelt sich wider in der Verwendung von Feinkeramik und Glasgefäßen. Dies bezeugt auch der Fund einer Bergkristall-Perle, die als Bestandteil eines Schmuckstückes gedeutet werden kann.

 

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